Hallo,
gibt eine solide Alternative zu whatsapp? Denn diese APP werde ich nicht installieren.

Das hat mir eine Leserin geschrieben. Recht hat sie! Und ich hoffe, sie setzt sich damit in der Familie und bei Freunden damit durch. Wir brauchen Alternativen zu WhatsApp. Damit ihr alle, nicht nur diese Leserin, Argumente habt, habe ich diesen Artikel geschrieben.

Soll ich? Soll ich nicht? – Hast Du auch ein mieses Gefühl?

In Deutschland benutzen 80% der Smartphone-Benutzer regelmäßig WhatsApp regelmäßig. Damit ist es für spontane Kommunikation so wichtig wie dein Telefon. Supereinfach zu bedienen macht es Spaß und vereinfacht Abstimmungen. Familien, Freundeskreise, Vereine kommunizieren darüber, kostenfrei und unkompliziert. Also alles gut? Nicht wirklich! WhatsApp gehört Facebook, Facebook lebt von personalisierter Werbung. Anders gesagt: von Manipulation und fällt immer wieder durch heftige Datenskandale unangenehm auf. Facebook besitzt außer WhatsApp auch der Facebook Messenger und Instagram. Damit geht ein riesengroßer Teil unserer privaten Kommunikation weltweit über Facebook-Dienste. Wer hätte da kein schlechtes Gefühl?

Grund genug, über Alternativen zu WhatsApp nachzudenken und zu konkretisieren, was uns an WhatApp nicht gefällt.

Was tun – Kurzfassung für Eilige

Sieh dir an, was WhatsApp von dir speichert. Die Beschreibung kommt demnächst.

Wenn du damit leben kannst: Fein.

Wenn es dich stört, und du nach eine datensparsameren Alternative zu WhatsApp suchst, dann steige auf Threema um und nimm deine wichtigsten Gruppen mit – und wenn das Kaufen der App für ungefähr 3 EUR ein Problem gibt, dann gib eine Runde Threema-Lizenzen aus! – Auch das geht ziemlich einfach und ist ->hier beschrieben.

Wer verstehen will, warum ich das vorschlage, der liest weiter – und hat dann hoffentlich Argumente.

Der große Widerspruch: Erreichbarkeit contra Datenschutz

Bevor ich auf Alternativen zu WhatsApp eingehe – ein Problem läßt sich nicht lösen:

WhatsApp hat durch seine große Verbreitung nahezu ein Monopol. Jede andere Alternative hat deutlich weniger Benutzer. Deshalb wirst du zähe Diskussionen in der Familie und im Freundeskreis führen müssen,  bis ihr euch z.B. in der Familie auf eine alternative App geeinigt habt. Es läuft daher meist darauf hinaus, dass wir WhatsApp nicht völlig abschaffen, sondern zusätzlich sichere Apps auf dem Smartphone haben und sie abhängig vom Empfänger nutzen.

Beginnen wir damit, dass wir uns darüber klar werden, wo wir eigentlich Sicherheitsbedürfnisse haben und was uns an WhatsApp nicht gefällt. Dazu schauen wir zunächst auf die Kernfunktionalität dieser sogenannten Messenger-Dienste. („Messenger-Dienst“  ist die Sammelbezeichnung für Apps, die so ungefähr die Funktionalität von WhatsApp haben), und dann überlegen wir, was wir uns wünschen.

Kernfunktionalität von WhatsApp und Co

Sender und Empfänger unterhalten sich mit Kurznachrichten

Ich bitte dich, noch Brot mitzubringen und du teilst mir mit, dass Du das gerne machst:

 

Dafür tippe ich meine Nachricht auf meinem Smartphone ein, und schicke sie ab. Kurz danach piept es bei dir und du siehst meine Nachricht, und kannst sofort antworten. Es entsteht eine Unterhaltung aus Kurznachrichten. So eine Unterhaltung nennt sich Chat. Wir beide chatten miteinander.

Nicht nur Text

Diese Grundfunktionalität haben alle Messenger-Dienste. Die meisten können nicht nur kurze Texte, sondern auch Fotos, Videos und anderes verschicken. Beispielsweise kannst du den wunderschönen Sonnenuntergang, den du gerade erlebst, mit wenigen Klicks an deine Tochter schicken. Weil Chatten viel einfacher und schneller ist als Mail, lieben wir es so!

Gruppen-Unterhaltung – nicht nur zu zweit

Beim Telefonieren unterhalten sich immer nur zwei. Chats funktionieren dagegen auch in der Gruppe. Das macht die Unterhaltung schnell: Du bist im Chor, und eurer Chorabend fällt aus – wenn alle Chormitglieder über eine WhatsApp-Gruppe erreichbar sind, schreibt der Chorleiter eine Nachricht, und auf allen Smartphones piepst es. Das ist viel einfacher und schneller als z.B. über eine Telefonkette.

Weitere Funktionen

Darüberhinaus wollen WhatsApp und Alternativen sich voneinander unterscheiden und haben im Laufe der Zeit spezielle Funktionen hinzugefügt: Sprach- und Videotelefonie, Verschicken von Bildern, kleinen Videos, Sprachnachrichten, Standort, …

Datenschutz: Anforderungen an WhatsApp und Alternativen

1 – Kein Abhören oder Mitlesen deiner Unterhaltung: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Dir ist wichtig, das deine Unterhaltung nicht abgehört wird. Egal ob bei einem Chat, bei einem Telefonat oder in der Gruppe. Das Zauberwort heißt Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Um zu erklären, was das ist, muss ich etwas ausholen:

In ganz alten Telefonzeiten gab es das Fräulein vom Amt, das die Telefonverbindungen zusammenstöpselte. Danach waren die zwei verbundenen Telefone durch eine Leitung verbunden. Auch wenn keiner etwas sagt – die Leitung war trotzdem da. Zu Zeiten des Internets ist das anders:

Ich tippe meine Nachricht an dich auf meinem Smartphone ein, und schicke sie los. Die App auf meinem Smartphone schickt die Nachricht nicht direkt zum dir, sondern auf einen zentralen Rechner, dem Server. Sie steckt sie dort sozusagen in einen Briefkasten. Der zentrale Rechner – der Nachrichtenverteiler – sieht die Nachricht und sucht nach dir. Sobald du online bist, schickt er deinem Smartphone meine Nachricht. Dein Smartphone sagt „Piep“ und zeigt sie dir an. Wenn jetzt ein Spion mitlesen möchte, hat er drei Stellen, wo er uns angreifen kann: Die Leitung zwischen mir und dem zentralen Rechner, der Briefkasten auf dem zentralen Rechner, und die Leitung zwischen dem zentralen Rechner und deinem Smartphone.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bedeutet, dass unsere Nachricht bereits auf unseren Smartphones verschlüsselt werden, bevor sie übertragen werden. Sie liegen auch verschlüsselt auf dem zentralen Rechner. Es reicht nicht, nur die Leitung zum/vom zentralen Rechner zu verschlüsseln – denn dann könnte man ja unsere Unterhaltung auf dem Rechner mitlesen. Wichtig ist auch, dass eine Verschlüsselung benutzt wird, die nur schwer zu knacken ist.

2 – Mein Kontakte und mein Kommunikationsverhalten

Damit meine Nachricht bei dir ankommt, muss der Dienst dich, bzw. finden. Dazu muss er von jedem seiner Benutzer eine Adresse haben, an die ich schicken kann. Die App auf deinem Smartphone hat daher gute Gründe, auf deine Kontaktliste zuzugreifen. Die verschiedenen Messenger-Dienste sind hier sehr unterschiedlich neugierig und wissen, wen ich alles kenne und wen du alles kennst. Im Prinzip könnten sie ein Netzwerk aufmalen, in dem man sieht, wer wen kennt.

Wenn ich eine Nachricht über einen Messenger-Dienst verschicke, dann lernt der Dienst zusätzlich, mit wem meiner Kontakte ich viel und mit wem ich weniger kommuniziere. Der Messenger-Dienst könnte also in dem Netzwerk, in dem die Beziehungen zwischen den Teilnehmer erkennbar sind, auch einzeichnen, wie intensiv sie miteinander kommunizieren. Das sind Informationen, für die Geheimdienste oft lange und hart arbeiten müssen, um sie zu bekommen.

3 – Gibt es eine Sicherheitsprüfung?

Jeder der Messenger-Dienste kann dir versprechen „ich bin super-sicher“, „ich werde nicht gehackt“ und „ich werde keiner Regierung Daten geben“ – aber wer überprüft das? Das geht nur durch einen unabhängigen Prüfer, d.h. eine Art fachkundigen TÜV (= Sicherheitszertifizierung) oder durch Offenlegung der benutzten Programme – „open source“ – dann kann jeder, der es kann, in die Programme hineinschauen und sich eine Meinung bilden.

4 – Welches Datenschutzrecht gilt?

Abhängig davon, wo die Firma, die den Dienst anbietet, sitzt und wo die zentralen Rechner stehen, auf denen sie arbeitet, unterscheidet sich der Datenschutz erheblich

5 – Geschäftsmodell

Gute Programme zu entwickeln ist teuer. Mir ist es sympathisch, wenn ich verstehe, wie das Geschäftsmodell funktioniert.

Die Alternativen zu WhatsApp

Nachdem wir jetzt geklärt haben, welche Aspekte uns wichtig sind, brauchen wir Alternativen. Die drei, die mir bei meinen Recherchen immer wieder untergekommen sind, sind

die wir jetzt mit WhatsApp vergleichen können.

Alternativen zu WhatsApp – Kurz und knapp

  • WhatsApp:
    Alternativen_zu_WhatsAppBesitzer: Facebook Inc.
    Land: USA
    Verbreitung: riesig: 80% der deutschen Smartphone-Besitzer haben WhatsApp in den letzten 3 Monaten benutzt (Bitkom, für 2018)
    Preis: kostenfrei
    Geschäftsmodell: Unklar, bisher querfinanziert durch Facebook, strategisches Investment.
    Überprüfbarkeit der Datensicherheit: nicht vorhanden
  • Telegram
    Alternativen_zu_WhatsApp_TelegramBesitzer: Pawel Durow, Russer, lebt z.Z. in Dubai, kein Impressum
    Land: Verteilt auf verschiedene Länder. Um sinnvolle Daten zu bekommen, sind Gerichtsbeschlüsse aus mehreren Länder notwendig.
    Verbreitung: 7% der deutschen Smartphone-Besitzer haben Telegram in den letzten 3 Monaten benutzt (Bitkom, für 2018)
    Preis: kostenfrei
    Geschäftsmodell: Unklar – laut Eigendarstellung eine großezügige Spende von Pawel Durow.
    Überprüfbarkeit der Datensicherheit: teilweise open source (die Programme auf dem Smartphone, nicht auf dem zentralen Rechner)
  • Threema
    Alternativen_zu_WhatsApp_ThreemaBesitzer: Threema GmbH
    Land: Schweiz
    Verbreitung: nach eigenen Angaben hatte Threema im Januar 2018 3,6 Millionen deutschsprachiger Nutzer
    Preis: Android: 2,99 EUR, Apple: 3,49 EUR, einmalig für den Enduser, sowie eine Unternehmensversion, die an Firmen verkauft wird.
    Geschäftsmodell: Einnahmen durch den Verkauf der App, sowohl an Endbenutzer, als auch an Unternehmen.
    Überprüfbarkeit der Datensicherheit:externe Zertifizierung
    Empfohlen von Stiftung Warentest.
  • Signal
    Alternativen_zu_WhatsApp_SignalBesitzer: Signal Technology Foundation, gemeinnützige Stiftung (Mitgründer dieser Stiftung ist Brian Acton, einer der Mitgründer von WhatsApp)
    Land: USA
    Verbreitung: keine Angabe, nach meinem Eindruck in Deutschland wesentlich weniger verbreitet als Threema.
    Preis: kostenfrei
    Geschäftsmodell: Spendenfinanziert.
    empfohlen u.a. von Edward Snowdon

Mein Kommentar: Das Facebook es sich leisten, strategisch in WhatsApp zu investieren, um weltweit ein Beinahe-Monopol für Kurznachrichten aufzubauen, wußten wir bereits. Ich mag das unklare Datenmodell von Telegram nicht. Bleiben als Alternativen für mich Threema und Signal.

Technischer Vergleich

  • WhatsApp:
    Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: automatisch (Verschlüsselung von Signal)
    Gespeicherte Daten:
    Ich wollte Fakten! Bei WhatsApp kann ich angefragen, welche persönlichen Daten sie gespeichert haben – Das dauert ca. 3 Tage und dann wußte ich es: Außer der Telefonnummer (mit der sie mich identifizieren) fand ich in der langen Liste: diverse Daten über mein Gerät, mein Profilbild, die Telefonnummern aller meiner Kontakte! und meine Gruppen, meine Sichtbarkeitseinstellungen und die Nummern, die ich blockiert habe.
  • Telegram:
    Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: nur bei Chats zwischen 2 Personen, und nur wenn man es explizit einstellt (Geheimer Chat)
    Das ist der Hauptgrund (außer dem unklaren Geschäftsmodell) dass ich Telegram nicht weiter angesehen, sondern von meinem Smartphone gelöscht habe.
  • Threema::
    Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: automatisch
    Gespeicherte Daten:
    Dafür schickt man eine Nachricht an Threema, und bekommt die Daten sofort zurück. Außer Threema-ID, Anmeldedatum, Datum der letzten Aktivität sind dort nur technische Werte, mit denen ein Hacker nichts anfangen kann – nichts zum Klauen, noch nicht einmal meine Mobilfunknummer.
  • Signal:
    Ende-zu-Ende-Verschlüsselung: automatisch (wurde von WhatsApp übernommen)
    Gespeicherte Daten:
    Gemäß der Privacy Policy wird nur die Telefonnummer gespeichert, alles andere temporär und verschlüsselt.

Zusammengefaßt: Threema und Signal sind beide ok.

Verfügbarkeit für verschiedene Platformen

Da wäre noch eine kleine Nebenbedingung: Ist der Messenger überhaupt für dein Gerät verfügbar? Alle diskutierten Messenger laufen auf einigermaßen aktuellen Android-Smartphones und Apple-iPhones. Schwierig wird es, wenn du nur ein Tablet hast, vielleicht auch ohne mobile Daten. Wie sieht es dort aus?

  • WhatsApp:
    Android-Tablet mit mobilen Daten: ok
    Android-Tablet ohne mobile Daten: soll mit Hilfe der Festnetznummer inzwischen möglich sein
    iPad: wird NICHT unterstützt.
  • Threema:
    Da Threema keine Mobilfunknummer braucht, funktioniert es auch auf iPad und Android-Tablet ohne mobile Daten.
  • Signal:
    funktioniert nur auf Geräten mit mobilen Daten, d.h. Geräten mit SIM-Karte.

 

Meine Alternativen zu WhatsApp: Threema oder Signal

Auch wenn Telegram die ersten waren, die Ende-zu-Ende verschlüsseln und Erfahrung im Umgang mit autoritären Regimen haben. Die Verschlüsselung geht nicht automatisch (was für unsereinen doof ist) und von dem Geschäftsmodell weiß ich nicht, was ich halten soll. Ich mag sie nicht empfehlen.

Threema und Signal sind beides interessante Alternativen. Ihre Nachteile:

  • Threema musst du kaufen.
    Dabei ist nicht die Höhe des Preis das Problem, sondern die meisten von euch haben noch nie eine App gekauft. Daher haben sie weder Prepaid-Guthaben auf ihrem Google-oder Android-Account, noch einen anderen Bezahlweg eingerichtet. Und das jetzt ändern? Für Android-Geräte gibt es die Möglichkeit, die App direkt bei Threema zu kaufen – für sich selbst, oder für die ganze Familie oder den ganzen Verein. Bei Apple kann man im Appstore Apps verschenken (Der Schenker muss aber eine Kreditkartennummer hinterlegt haben)
    Also: Wer gerade nicht im Supermarkt vorbeikommt, um eine Prepaidkarte zu kaufen, läßt sich Threema schenken. Mehr zu dem Thema findest du im Artikel ->Threema installieren: kaufen, verschenken und anmelden. Das kann man aber hinbekommen.
  • Signal scheint in Deutschland noch weniger bekannt zu sein als Threema
    Du wirst dich bei deinen Freunden und Bekannten erst durchsetzen müssen!

Trotzdem:
Versuche es! Schwierig ist es nicht. Der nächste Datenskandal von Facebook kommt bestimmt – und das ist der richtige Moment, deine Familie und deine Freunde von den Alternativen zu überzeugen!

Und noch ein Tipp als Argumentationshilfe:
Lass dir die Daten, die WhatsApp von dir speichert schicken – ich verrate dir nächste Woche, wie das geht.

 

 

 

 

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